Der Börsencrash ist unsere Einladung zu einer ausgiebigen Shoppingtour

Wäre es nicht wunderbar all die schönen Wertpapiere, die uns der ersehnten Freiheit vom Hamsterrad näher bringen, auf einmal im Angebot kaufen zu können? Eine ausgiebige Shoppingtour mit 30, 40 oder 50% Discount? Keine Bange, dieser Moment wird irgendwann kommen. Der nächste Börsencrash wird es möglich machen. Und sobald es soweit ist, werden wir zulangen als ob es kein Morgen mehr gäbe.

Klingt einfach, ist es aber offensichtlich nicht. Handeln doch die meisten Menschen bei einem Börsencrash genau entgegengesetzt zu dieser eigentlich einfachen und verständlichen Regel.

Es ist ein Phänomen: Kostet eine Aktie heute 100 Euro, die alle gerne haben möchten, will sie nach einem Börsencrash auf einmal kaum noch jemand kaufen, obwohl sie plötzlich nur 60 Euro kostet

In solchen Situationen haben die meisten Menschen nämlich Angst: Der Kurs ist schnell gefallen. Er könnte noch weiter fallen. Das Finanzsystem könnte kollabieren. Jahrzehnte der Rezession könnten vor uns liegen. Die Welt könnte untergehen. Kurz: Die Emotionen haben komplett das Steuer an sich gerissen. Dazu kommt noch die Angst auf einmal der große Depp zu sein, wenn man nun anders handelt als die Anderen und als Einziger verliert.

Nur sind Emotionen nun mal ein grauenvoller Anlageberater.

„Kaufen Sie, wenn die Kanonen donnern!“

heißt es in einer alten Börsenweisheit. Eine andere lautet „Kaufen Sie, wenn das Blut in den Straßen fließt!“. Klingt zwar alles etwas heftig. Gemeint ist aber, dass es tatsächlich die Krisen sind, welche an der Börse oft die besten Chancen bringen. Gerade hier gilt es umso mehr mit kühlem Kopf zu handeln.

Was machen reiche Menschen bei einem Börsencrash? Reiche Menschen sehen Krisen als Chance. Sie nutzen die Gelegenheit ihren Reichtum weiter auszubauen, während die Mehrheit wie ein Haufen aufgescheuchter Hühner herumrennt. Während die Mittelschicht aufgeregt den drohenden Weltuntergang diskutiert, freuen sich die Reichen über all die soliden Vermögenswerte, welche plötzlich im Angebot zu haben sind. Und langen kräftig zu. Dies ist auch einer der wahren Gründe, warum reiche Menschen reicher werden, während die Mittelschicht real eher verliert als ihren Wohlstand ausbaut.

Wenn wir aber auch reich oder finanziell frei werden wollen, müssen wir unseren Verstand einschalten. Wir müssen das Verhalten derer nachahmen, zu denen wir gehören wollen. Und nicht das Verhalten derer, zu denen wir– rein vermögensmäßig gesehen – künftig nicht mehr gehören wollen.

Was werden wir beide also tun, wenn beim nächsten Mal die Börsen so richtig in die Knie gehen?

Wir werden uns hemmungslos die Taschen voll machen. Während die meisten vom Ende der Welt, wie wir sie kennen dauerschwadronieren und die Medien Dir erklären, dass diesmal alles besonders schlimm und anders ist, werden wir kaufen, kaufen, kaufen. Unser soziales Umfeld wird uns vielleicht für verrückt erklären. Aber davon werden wir uns nicht weiter beeindrucken lassen. Zwar meinen es unsere Lieben ja nur gut mit uns, aber wir wissen es besser. Wir sind bereit zu kaufen, wenn die „Kanonen donnern und das Blut in den Straßen fließt“. Sprich: Wenn gerade mal wieder die Welt untergeht. Schließlich kennen wir auch diese Börsenweisheit:

„Kein Boom ohne den nachfolgenden Börsencrash. Kein Börsencrash ohne den nachfolgenden Boom“

Um auf ausgiebige Schnäppchenjagd gehen zu können, müssen wir natürlich mit ordentlich Cash an der Seitenlinie stehen. Ich persönlich halte deshalb einen Teil meiner monatlichen Sparrate gezielt für den nächsten Börsencrash zurück.

Bereits bei der Finanzkrise 2007/2008 habe ich erlebt, wie sich die Kurse innerhalb von zwei Jahren etwa halbiert haben, nur um dann anschließen über Jahre hinweg eine traumhafte Performance hinzulegen. Auch der Börsencrash 2000 bis 2002 war eine solche Gelegenheit. Wegen dieser Erfahrungen werde ich im nächsten Börsencrash ganz systematisch mit einem ausgearbeiteten Schlachtplan vorgehen.

Diesen Schlachtplan für den nächsten Börsencrash werde ich in einem kommenden Beitrag veröffentlichen. Unser Geld parken wir solange an der Seitenlinie. Am besten auf einem separaten Tagesgeldkonto. Einen Vergleichsrechner mit den aktuellen Zinsen auf das Tagesgeld findest Du hier.

Wann wird es einen Börsencrash geben?

Der nächste Börsencrash wird kommen. Ganz sicher. Denn es lässt sich nun mal nicht wegdiskutieren: Es gibt Börsenzyklen. Die Kurse werden nicht ewig weiter steigen und sie werden irgendwann auch wieder gewaltig fallen. Das war immer so und wird auch immer so sein.

Wann der nächste Börsencrash sein wird, kann aber wirklich niemand sicher voraussagen. Es kann noch Jahre oder auch nur Tage dauern. Die aktuelle Hausse an den Börsen läuft nun bereits seit 2009. Das ist eine ziemlich lange Zeit. Zum Vergleich: Die letzte Hausse vor der sog. Finanzkrise ging gerade einmal von Ende 2002 bis 2007/2008. Sicher ist aber:

Mit jedem weiteren Jahr, was ins Land zieht, steigt die Wahrscheinlichkeit eines Börsencrashs an

Die Börsen sind seit vielen Jahren gigantisch gestiegen. Das Finanzsystem ist (wirklich) marode, die Zinsen wurden unglaublich herunter manipuliert. Dies hat den Wahnsinnsanstieg der Aktienkurse und auch der Immobilienpreise erst richtig befeuert. Ewig wird das nicht weitergehen können. In den USA wurden auch schon mehrmals die Zinsen angehoben. Die EZB wird irgendwann folgen.

Steigende Zinsen haben mit zeitlicher Verzögerung immer negativen Einfluss auf die Börsen. Das wusste schon die Börsenlegende André Kostolany zu berichten. Seinen zeitlosen Börsenklassiker Die Kunst, über Geld nachzudenken, kann ich Euch wärmstens empfehlen. Die darin vermittelten Einsichten aus einem langen Börsenleben, welches von den Zwanzigern bis in die Neunziger Jahre reicht, sind wirklich zeitlos.

Warum jetzt überhaupt investieren, wenn ein Börsencrash kommen wird?

Wir wissen nicht, wann der nächste Börsencrash kommt. Deswegen macht es meiner Meinung nach keinen Sinn, nun eventuell jahrelang nicht zu investieren und unsere gesamten Ersparnisse der Inflation schutzlos auszuliefern. Wie ich im Artikel Masterplan Teil 2 – Investieren und Nebeneinkommen geschrieben habe, sind zwei Voraussetzungen für eine Anlagestrategie entscheidend:

  1. Die Strategie ist nachhaltig bewährt und hat in der Vergangenheit über einen längeren Zeitraum funktioniert.
  2. Sie wird konsequent und emotionslos umgesetzt.

Damit spricht nichts dagegen parallel zum Sparen auf den nächsten Börsencrash schon jetzt langfristig und regelmäßig in ETFs zu investieren. Oder auch die Anlagestrategie nach dem Gebert Indikator umzusetzen. Wie hier dargestellt, lässt sich mit dem regelmäßigen Kauf von ETF-Anteilen über den Cost Average Effekt auf lange Sicht eine Rendite von 8 bis 10% pro Jahr erzielen. Unabhängig vom Einstiegszeitpunkt. Damit erfüllt die ETF-Strategie, wie auch die Strategie auf den Gebert Indikator, die beiden genannten wichtigen Voraussetzungen. Jede der Strategien ist bewährt und muss nur konsequent umgesetzt werden, damit sie funktioniert. Auf diese Weise legt man auch nicht alle Eier in einen Korb.

Ebenso lässt sich eigentlich auch das „Kaufen, wenn die Kanonen donnern und das Blut in den Straßen fließt“ umsetzen. Aber zugegeben: Die konsequente und emotionslose Umsetzung ist hierbei deutlich anspruchsvoller als zum Beispiel das Einrichten von ETF-Sparplänen, welche automatisch monatlich vom Konto abgebucht werden.

Umso lohnender ist es aber allemal in der nächsten Krise den Mut zu haben anders zu handeln als die ängstliche Mehrheit

Wer dies schafft wird mit der schönen Aussicht belohnt einen jahrelangen Börsenboom mitzuerleben. Dazugesellt sich außerdem noch das triumphierende Gefühl diesmal ganz weit unten eingestiegen zu sein. Wenn das nicht motivierend ist, mal aus der Masse herauszustechen, dann weiß ich auch nicht weiter. Und keine Sorge, wir bleiben ja nicht allein. Unser Umfeld wird später eh wieder dazu stoßen. Nur werden die Kurse dann bereits deutlich höher stehen.

Fazit

Es spricht nichts dagegen neben den laufenden Investments bereits jetzt einen Teil unserer Ersparnisse für den nächsten Börsencrash an der Seitenlinie zu parken. Die Chance ist groß, dass wir für unseren Mut mit einem günstigen Einstiegskurs und jahrelangen zweistelligen Renditen pro Jahr reichlich belohnt werden.

 

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2 Kommentare

Tim · 25/04/2018 um 13:38

Die Kunst ist dabei zu wissen, wann und ob der Crash vorbei ist. Ansonsten kann das ziemlich nach hinten los gehen – siehe Japan in den 90ern. Einige warten bis heute darauf, dass sich die Kurse erholen.

    Geldhamster · 25/04/2018 um 14:29

    Hallo Tim,

    ich selbst bin kein Freund von Market Timing. In der Tat geht sowas meist nach hinten los. Ich denke aber auch für den Langfrist-Investor ist es nicht so entscheidend, den genauen Tiefpunkt bzw. das Ende des Crashs bestimmen zu können. Börsencrashs gehen normalerweise mit Abschlägen von 30 bis über 50% vom letzten Hoch einher. Da auf jeden Crash auch ein Boom folgt (zumindest die letzten hundert Jahre), spricht meiner Meinung nach nichts dagegen tranchenweise bspw. bei minus 30%, minus 40% und minus 50% einzusteigen. Auch ging es mir in diesem Artikel darum, dass ich nur einen Teil der Liquidität zurückhalte.

    Geht man davon aus, dass Börsen langfristig steigen und vorausgesetzt man investiert mit entsprechendem Anlagehorizont sowie diversifiziert über ETFs, die viele Länder und Branchen auf der ganzen Welt abdecken, sollte es nach 10 Jahren und mehr nicht kriegsentscheidend sein, ob wir unsere Shoppingtour mit 35% oder 45% Discount durchgezogen haben. Auf jeden Fall sollte sich damit ordentlich Geld verdienen lassen.

    Über das Beispiel Japan habe ich auch schon nachgedacht. Da hast Du schon Recht. Allerdings handelt es sich hier um ein einziges Land. Verfolgt man eine breite ETF Strategie, müsste das Japan Szenario schon auf die ganze Weltwirtschaft übertragen werden. Das halte ich für unwahrscheinlich.

    Beste Grüße

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