Welche Depotbanken und welche ETFs verzichten auf Wertpapierleihe?

Die Wertpapierleihe ist ein Thema, dass viele Freunde des passiven ETF-Investierens umtreibt. Was nützt mir der ganze Aufwand, das Tuning meiner Sparquote, das regelmäßige Zukaufen und der Aufbau von Vermögen generell, wenn bei einer möglichen Kernschmelze des Finanzsystems meine Wertpapiere möglicherweise futsch sind? Etwa, weil sie an einen plötzlich bankrotten Entleiher verliehen wurden.

Denn geht der Entleiher pleite, wird er die geliehenen Wertpapiere logischerweise nicht mehr zurückgeben können. Ob die Sicherungssysteme dann noch ausreichen, um unser Vermögen zu schützen, ist unklar.

Falls Du Dich bisher noch nicht mit dem Thema Wertpapierleihe auseinandergesetzt hast, habe ich hier eine gute und knappe Beschreibung von Wikipedia (Markierung von mir):

„Bei einer Wertpapierleihe handelt es sich im juristischen Sinne entgegen dem Namen nicht um eine Leihe, sondern um ein Sachdarlehen in Wertpapieren. Im Gegensatz zu einem üblichen Leihgeschäft wird der Entleiher zum Eigentümer der Wertpapiere und muss nicht die ursprünglich entliehenen Papiere, sondern nur solche gleicher Art und Güte zurückgeben. Allerdings hat sich der Begriff Wertpapierleihe eingebürgert, und wirtschaftlich entsprechen die Geschäfte normalerweise Leihgeschäften.“

Wie Ihr seht, werden die Entleiher (meist Finanzinstitute) selbst Eigentümer der entliehenen Wertpapiere. Was haben wir dann aber statt unserem bisherigen Eigentum? Ganz einfach: Einen schuldrechtlichen Anspruch auf künftige Rückgabe gleicher Papiere (sowie ggf. entgangene Dividenden und Leihgebühren). Anders als das Eigentumsrecht können schuldrechtliche Ansprüche jedoch ausfallen. Man ist also auf einmal dem Bonitätsrisiko des Entleihers ausgesetzt, welches ohne Wertpapierleihe nicht bestehen würde.

Zuletzt wurde es beim Thema Wertpapierleihe bei der Lehman Brothers Pleite ziemlich eng

Wie wohl nahezu alle Investmentbanken, hatte die Bank in großem Umfang Wertpapiere der Kunden gegen Gebühr verliehen und auch selbst von anderen Banken ausgeliehen. Als Lehman bankrott ging, war die Bank natürlich nicht mehr in der Lage die entliehenen Wertpapiere an ihre Verleiher zurückzugeben. Mit entsprechenden Verlustrisiken für die eigentlichen Eigentümer.

Auch wenn ein großer Schaden für die Anleger in der Vergangenheit ausblieb, kann man sich darauf nicht einfach auch für die Zukunft verlassen. Zwar muss der Entleiher Sicherheiten für die Wertpapierleihe stellen. Wie werthaltig diese im Fall der Fälle sind, steht aber wohl eher in den Sternen. Sollten einmal mehrere Großbanken gleichzeitig ausfallen, könnte eine ziemlich unschöne Kettenreaktion ausgelöst werden. Diese würde reichlich Unsicherheit für unser Vermögen bedeuten, welche wir beim langfristigen Aufbau unseres Geldmagneten eher nicht gebrauchen können. Schließlich soll uns unser wachsendes Vermögen eines Tages den Ausstieg aus dem Hamsterrad und den Einstieg in die Hängematte finanzieren.

Wertpapierleihe

Lieber Hängematte statt Hamsterrad. Dank langfristiger Vermögenssicherung

Leider können wir nicht in die Zukunft schauen. Sonst wären wir ja eh schon alle reich. Da die Leser dieses Blogs aber ganz überwiegend junge Erwachsene sind, haben die meisten von uns noch einige Jahrzehnte vor sich. Und damit auch ein langes Börsenleben. Bis dahin fließt noch viel Wasser den Fluss hinab. Und es kann einiges passieren.

Für den langfristigen Vermögensaufbau spielt die Vermögenssicherung also eine große Rolle

Ob man das Thema Wertpapierleihe dabei als wirkliche Gefahr für das eigene Vermögen ansieht, muss natürlich jeder Anleger für sich selbst entscheiden. Manch einem reichen die Sicherungssysteme und das Wissen, dass schon irgendwelche Sicherheiten hinterlegt sein werden. Wie groß (oder klein) das Risiko am Ende wirklich ist, wird allein die Zukunft zeigen. Einen ausführlichen Beitrag zur Wertpapierleihe im Allgemeinen findet ihr bei justetf.com. An dieser Stelle so es aber darum gehen, wie wir die Wertpapierleihe aus unseren Depots verhindern.

Leider findet man zum Thema Wertpapierleihe durch Depotbanken und ETFs nur wenig eindeutige Infos im Netz

Das ist doch eigentlich merkwürdig: Auf der einen Seite interessiert dieses Thema die ETF Anleger, von denen es selbst in der Börsenwüste Deutschland glücklicherweise immer mehr gibt. Auf der anderen Seite findet man wenig eindeutige Aussagen, in denen es mal klipp und klar heißt: Wertpapierleihe? Ja, machen wir. Oder eben: Nein, machen wir nicht.

Stattdessen allgemeines Geschwafel und lange AGB. Fast schon, als wollte man das Thema unter dem Teppich kehren. So aber nicht mit uns. Wir wollen Licht ins Dunkel bringen.

Wenn wir Wertpapierleihe bei unserem Vermögensaufbau komplett vermeiden wollen, müssen wir zwei Ebenen betrachten

Die Ebene unserer Depotbank und die Ebene des ETFs selbst. Beide können nämlich Wertpapierleihe mit unserem Eigentum betreiben. Die Depotbank, indem sie unsere ETF-Anteile an Dritte verleiht. Oder der von uns gehaltene ETF selbst, indem er die von ihm gehalten Aktien und damit unser Vermögen als Anteilseigner an Dritte ausleiht. Um also der Wertpapierleihe in unserem ETF-Depot ein für alle Mal adieu zu sagen, müssen wir eine Bank wählen, die keine Wertpapierleihe aus Kundendepots betreibt und dieses Depot dann noch mit wertpapierleihefreien ETFs ausstatten.

Noch recht einfach ist es bei den Depotbanken. Da für ein ordentliches ETF Depot ein heimischer Online Broker mit günstigen Gebühren vollkommen ausreichend ist, habe ich mal einige der üblichen Verdächtigen direkt angeschrieben:

 

Folgende Banken betreiben laut Kundenservice keine Wertpapierleihe aus den Kundendepots:

Die Liste erhebt natürlich keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Da ich aber mein eigenes ETF-Depot bei der Onvista Bank halte und ansonsten auch die Angebote der anderen genannten ganz gut finde, habe ich mich vorerst auf diese beschränkt. Gebt mir gerne einen kurzen Wink, wenn Ihr mehr wisst. Dann ergänze ich die Infos.

Kommen wir zum deutlich schwierigeren Teil der Recherche. Der ETF Auswahl. Leider ist die Zahl der ETF-Anbieter, welche auf Wertpapierleihe verzichten, eher gering. Ich konnte aber bisher vier bekannte Fondsgesellschaften ausfindig machen, die nennenswerte ETFs ohne Wertpapierleihe anbieten.

 

SPDR, ComStage, Lyxor und HSBC bieten ETFs an, die auf die Wertpapierleihe verzichten

Eine recht große Anzahl von passenden ETFs finden wir bei SPDR. Hier eine Auswahl:

Hauptsächlich für den deutschen Markt werden wir bei ComStage fündig, wenn wir nach ETFs ohne Wertpapierleihe suchen:

Auch Lyxor bietet ein paar ETFs ohne Wertpapierleihe an:

Bei der HSBC finden sich weitere ETFs ohne Wertpapierleihe, zum Beispiel:

Diese Liste bietet natürlich nur eine Hilfe für die eigene Recherche

Es gibt zu viele Anlagekriterien, die jeder für sich unterschiedlich gewichtet. Manch einer der genannten ETFs hat zum Beispiel eine sehr kleine Marktkapitalisierung und ist entsprechend wenig liquide zu handeln. Manche ETFs sind recht teuer, andere sehr günstig. Manch einer möchte vielleicht lieber thesaurierende als ausschüttende ETFs oder umgekehrt. Und so weiter und so fort.

Für die Richtigkeit der Informationen kann ich natürlich nicht garantieren. Vor einer Kaufentscheidung sollte daher immer eine eigene Recherche stehen. Meine Informationen basieren hauptsächlich auf den Angaben bei justetf.com. Daneben auch auf direkten Anfragen bei Onlinebrokern, verschiedenen Quellen im Internet und teilweise auf den Prospekten der jeweiligen Fonds.

Kennt Ihr weitere Depotbanken und ETF-Anbieter, die keine Wertpapierleihe betreiben? Dann schreibt mir gerne einen Kommentar oder eine Nachricht und ich ergänze den Beitrag.

 

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2 Kommentare

Thomas · 09/10/2018 um 11:13

Hi,

Ist dir bekannt, ob die DKB Wertpapierleihe betreibt?
Ich habe dort angerufen. Es wurde mir gesagt, dass es bei Etf nicht der Fall wäre. Man konnte mir allerdings auf der Homepage nirgendswo dies bestätigen..

    Geldhamster · 11/10/2018 um 12:25

    Genau kann ich Dir das leider auch nicht sagen. Mein Eindruck bei der Recherche war, dass die deutschen Discount Broker keine WPL betreiben. Auf den Homepages findet man nur selten Angaben dazu. Ich habe immer eine Mail geschrieben, so hatte man wenigstens eine schriftliche Antwort.

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