Wie würde es Dir gefallen jedes existierende Altersvorsorgeprodukt, was Dir Dein Versicherungs- und Finanzmakler, ähm -Verkäufer, Deines Vertrauens andrehen möchte, renditemäßig weit zu übertreffen? Und wie wäre es, zusätzlich auf lange Sicht auch noch locker 90% aller professionellen Fondsmanager mit Leichtigkeit alt aussehen zu lassen?

Das wäre einfach wunderbar, mag es Dir durch den Kopf schießen. Tatsächlich ist dies stressfrei und relativ einfach möglich. Alles was wir dazu brauchen ist eine kostengünstige Strategie, Geduld und Ausdauer.

Nehmen wir den DAX, den bekanntesten deutschen Aktienindex. Dieser wird seit 1988 von der Deutschen Börse berechnet. Bis zum Jahresende 2017 hat er seitdem eine durchschnittliche jährliche Rendite von ca. 8,5% einschließlich der Dividenden erreicht. Rechnet man den DAX weiter zurück, liegt die Durchschnittsrendite bei rund 8,9%. Natürlich gab es Phasen mit besserer und schlechterer Rendite. Je länger die Beobachtungszeiträume aber waren, desto mehr pendelt sich die durchschnittliche Rendite bei knapp 9% ein. Der MSCI World kommt historisch auf etwa 8%.

Beim S&P 500 waren es zwischen 1950 und 2016 sogar etwas über sagenhafte 11%.


Quelle: macrotrends.net S&P 500 Historical Annual Returns

Zwar sehen wir in einzelnen Jahren große Ausschläge nach oben wie nach unten. Man kann aber deutlich erkennen, dass wir hier insgesamt mehr Grün als Rot haben. Und genau diese grüne – also positive – Durchschnittsrendite ist für uns auf lange Sicht entscheidend.

Mit anderen Worten: Man müsste also einfach ein paar der großen Aktienindizes dieser Welt im Depot abbilden, die Anteile dauerhaft halten und dabei auch noch möglichst wenig Kosten haben, um stressfrei annähernd die gleiche Performance hinzulegen. Wunderbarerweise ist genau das möglich. Unsere Strategie lautet: Investiere in kostengünstige börsengehandelte Indexfonds, kurz ETFs (exchange traded fund).

Was ist ein ETF?

Ein ETF ist ein an der Börse gehandelter Indexfonds, welcher die Entwicklung eines Aktienindex abbildet. Die Anteile an solch einem Indexfonds kannst Du ganz normal, wie eine Aktie, über Deinen Online Broker an der Börse kaufen. Ein ETF auf den DAX wird die Wertentwicklung des DAX nahezu exakt abbilden. Dies gelingt dem Indexfonds indem er das von den Anlegern zur Verfügung gestellte Kapital in genau die Aktien investiert, die derzeit im DAX enthalten sind und er dabei die Gewichtung der unterschiedlichen Unternehmen im DAX ebenfalls berücksichtigt. Hat also zum Beispiel BMW eine Gewichtung von 2,63% im Dax, werden auch 2,63% Deines investierten Geldes in BMW Aktien landen. Diese Art der Nachbildung eines Index nennt man physische Replikation. Dabei musst Du Dir nur merken, dass Du über Deine ETF-Anteile an echten Aktien beteiligt bist. Diese Beteiligung ist insolvenzfest, wie der Jurist sagt. Das bedeutet: Selbst wenn der Betreiber des Indexfonds Pleite gehen sollte, hast Du immer noch Deine Berechtigung an den mit Deinem investierten Geld erworbenen Aktien.

Es gibt auch noch andere Abbildungsmethoden, die Indexfonds nutzen können, wie das optimierte Sampling oder die synthetische Replikation. Von Letztgenanntem lassen wir aber besser die Finger. Denn hier investieren die Fonds nicht in echte Aktien, sondern in Finanzderivate. Also besser gesagt: Schrott. Wenn es an den Börsen mal wieder hart auf hart kommt, wollen wir diesen besser nicht im Depot haben. Solche Anteile sind nämlich nicht insolvenzfest. Ginge der Anbieter Pleite, wäre unsere Kohle futschikato. Also möglichst physisch replizierend.

Das optimierte Sampling geht notfalls auch in Ordnung. Dabei weicht der ETF von einer exakten Abbildung des Indexes leicht ab, indem er solche Aktien nicht in das ETF-Portfolio aufnimmt, die nur sehr geringen Anteil am Gesamtindex haben. Das führt zur Ersparnis von Verwaltungskosten. Der minimalen Abweichung in der Indexabbildung stehen also geringere Verwaltungskosten des ETF gegenüber. Dies führt auf lange Sicht oft sogar zu einer etwas besseren Gesamtrendite des ETFs.

ETFs sind eine kostengünstige Möglichkeit in Aktienindizes zu investieren

Ein Vorteil von Indexfonds ist auch, dass hier kein teurer Fondsmanager mit bezahlt werden muss. Von denen schlagen nämlich rund 2/3 ohnehin nicht mal ihren Vergleichsindex. Berücksichtigt man noch die hohen Verwaltungsgebühren solcher aktiv gemanagten Fonds, dürften wir bei den oben angesprochenen 90% der „professionellen“ Fondsmanager liegen, die Du mit Deiner ETF-Strategie langfristig übertreffen wirst. Tatsächlich kosten Dich die meisten ETFs nur eine geringe jährliche Verwaltungsgebühr von 0,1 bis 0,4% des Werts Deiner Anteile.

Wie investieren wir passiv in ETFs?

Die Strategie ist einfach. Durch den Kauf von ETFs können wir die Wertentwicklung großer Aktienindizes abbilden und von der Hängematte aus beobachten, wie im Mittel zwischen 8 und 10% Rendite in unserem Depot landen. Sind das nicht schöne Aussichten?

Nun müssen wir also einfach regelmäßig in ETFs investieren. Dies kannst Du machen, indem Du laufend Anteile über Deinen Online Broker kaufst und so nach und nach einen großen Bestand aufbaust.

Eine der besten und kostengünstigsten Methoden ist aber das Anlegen von kostenlosen ETF-Sparplänen. Die monatlichen Sparraten werden dabei kostenlos von Deinem Online Broker ausgeführt. Allerdings sind hier die Auswahlmöglichkeiten leider begrenzt. Viele ETFs werden entweder nicht als Sparplan angeboten oder die Ausführung der monatlichen Sparraten ist doch mit Kosten verbunden. Die Angebote variieren auch je nach Online Broker. Häufig sieht man 1,50 Euro pro Sparrate. Bei Sparraten ab 300 Euro ist das noch zu verschmerzen. Je größer desto besser. Aber keine Bange, man kann den Sparplan statt monatlich zum Beispiel auch quartalsweise ausführen lassen und so größere Sparraten wählen. Das senkt die Transaktionskosten und steigert die langfristige Rendite Deines Depots.

Eine deutlich größere Auswahl an geeigneten ETFs bietet sich uns aber, wenn wir regelmäßig selbst Anteile für unser Depot kaufen, indem wir eine Kauforder bei unserem Online Broker platzieren.

Durch regelmäßiges Anlegen nutzen wir für uns den Cost Average Effect

Indem wir regelmäßig in einen ETF investieren, egal ob die Börsen gerade hoch oder niedrig stehen, nutzen wir auch den Cost Average Effect. Dieser sorgt dafür, dass sich unser durchschnittlicher Einstiegskurs für alle unsere Anteile irgendwo zwischen dem höchsten und dem niedrigsten Indexstand einpendelt. Gerade wenn es uns um die langfristige Durchschnittrendite der Aktienindizes geht, ist das ein enormer Vorteil. Der Cost Average Effect funktioniert so:

Nehmen wir an, wir wollen ETF Anteile auf einen Index kaufen, der gerade bei 10.000 Punkten steht. Ein Anteil kostet 100 Euro. Wir legen alle zwei Monate 1000 Euro in diesem ETF an. Beim aktuellen Punktestand bekommen wir für unsere 1000 Euro zehn Anteile. Fällt der Index nun stark auf 5000 Punkte, bekommen wir für unsere nächste Sparrate aber nicht mehr zehn, sondern zwanzig Anteile, da ein Anteil statt 100 nun ja nur noch 50 Euro kostet.

Mit anderen Worten: Stehen die Börsen hoch, bekommt man wenige, stehen die Börsen niedrig, bekommt man viele Anteile für die gleiche Sparrate. In meinem einfachen Beispiel hätten wir mit zwei Sparraten insgesamt 30 Anteile für 2000 Euro eingesammelt. Unser durchschnittlicher Einstiegskurs pro Anteil wäre also 66,67 Euro.

Fazit

ETFs sind eine großartige Möglichkeit breitgestreut und kostengünstig zu investieren und dabei langfristig die durchschnittliche Wertentwicklung großer Indizes in unser Depot zu holen. Das Beispiel vom Cost Average Effect zeigt, dass wir uns mit dieser einfachen Strategie auch den Stress vom Hals schaffen, den richtigen Einstiegszeitpunkt zu erwischen. Solche Manöver gehen in vermutlich 90% der Fälle sowieso schief. Stattdessen überlassen wir es dem Cost Average Effect uns automatisch einen guten Durchschnittskaufkurs zu sichern. Unsere einzige Aufgabe ist regelmäßig in den von uns ausgewählten ETF zur investieren, egal ob die Börsen gerade steigen oder fallen. Dann werden wir mit dieser emotionslosen Strategie langfristig 8 bis 10% Rendite pro Jahr einstreichen. Sind das nicht grandiose Aussichten?

Ein paar Vorschläge für ETFs findest Du hier.

ETFs und Online Broker ohne Wertpapierleihe (und natürlich was das bedeutet) werden hier vorgestellt.

 

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Kategorien: Investmentstrategien

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