Man muss für das Alter vorsorgen, unbedingt. Die staatliche Altersvorsorge ist derart fragil, dass man sich fragen muss, ob es sich da eigentlich um Politiker oder um betrügerische Verbrecher handelt, dass so ein Schneeballsystem immer weiter wider besseres Wissen beibehalten wird. Am Ende wird da nichts anderes betrieben als „die Reise nach Jerusalem“, wobei irgend eine Generation oder sogar mehrere am Ende keinen Stuhl mehr abbekommen.

Immerhin sagt man uns, dass wir vorsorgen sollen (nachdem die Hälfte des Einkommens weggesteuert wurde…). Die üblichen Verdächtigen der privaten Altersvorsorge, welche vom Staat hochgejubelt werden, haben wohl viele Angehörige der Mittelschicht abgeschlossen. Das ist an sich ja auch schon lobenswert. Allerdings kann man seine private Altersvorsorge auch deutlich cleverer aufbauen und damit sich selbst und nicht die „Berater“ reich machen.

Mit diesem Beitrag wollen wir uns ein typisches Produkt für die private Altersvorsorge näher anschauen: Die private, fondsgebundene Rentenversicherung. Zunächst aber folgende Überlegung.

Wem nützt die private Altersvorsorge?

Nicht mit der Knarre, sondern der Angst ziehen sie Dir das Geld aus der Tasche: „Berater“

Klar ist: Das Geschäft mit der privaten Altersvorsorge ist ein Geschäft mit der Angst. Versteht mich nicht falsch. Die Gefahr ist real. Aber gerade bei der Abwehr von Gefahren sollten wir lieber kühl und rational handeln, statt uns irgendetwas aufschwatzen und uns damit ausnutzen zu lassen.

Die private Rentenversicherung

Meine Freundin hatte vor zwei Jahren – noch im Bachelorstudium – sich von den Vermittlern einer auf Akademiker und angehende Akademiker spezialisierten Finanzvermittler AG mit drei Buchstaben ködern lassen und eine fondsgebundene Rentenversicherung abgeschlossen. Wie gesagt, ist dies ja eigentlich durchaus lobenswert. Schließlich machte sie sich schon in jungen Jahren Gedanken um ihre Altersvorsorge.

Schauen wir uns aber mal die Eckdaten des Vertrages an:

Beginnend ab 2016 sollte meine Freundin nun monatlich 50 Euro, ab 2022, dann längst in Lohn und Brot, sogar 125 Euro in ihren Vertrag einzahlen. Und nun kommt es dicke: Dazu sollte ab 2023 eine jährliche Dynamik 10% kommen. Das mag sich erstmal nicht so schlimm anhören, ist aber genau genommen absurd. Menschen sind erwiesenermaßen nicht in der Lage exponentiell zu denken. Rechnen wir also lieber mal nach. Ausgehend von 125 Euro im Jahr 2022 bei einer jährlichen Dynamik von 10% beträgt die monatliche Prämie in 2032 schon knapp 300 Euro monatlich, in 2042 rund 750 monatlich und in 2052 dann schon sage und schreibe fast 2000 Euro monatlich.

Wie kann jemand, der sich Berater nennt, einen solchen Abzockkram als private Altersvorsorge verkaufen?

Natürlich kann man die Prämienzahlungen auch an seine finanziellen Verhältnisse anpassen. Man muss also keineswegs diese horrenden Prämien wirklich einzahlen. Aber das, was der Möchtegernberater einem im „Beratungsgespräch“ so schön als erzielbare Rente bzw. Endkapital aufgezeigt hat, beruht ja auf den eben genannten Annahmen.

Es geht ja noch weiter: Was wird denn nun garantiert, wenn die Anlagen nicht gut laufen?

65.000 Euro. Nach einem ganzen Arbeitsleben.

Diesen Unsinn brauchen wir wohl nicht weiter zu vertiefen. Ein ganz amüsantes Schmankerl habe ich in diesem Zusammenhang aber noch. Nachdem wir uns diese Rentenversicherung mal genauer vorgenommen hatten, haben wir als nächstes natürlich das Kündigungsschreiben verfasst. Die monatliche Prämie wird künftig ihren Weg in einen ETF Sparplan finden. Bei unterstellt 8% Durchschnittsrendite abzüglich Steuern, werden wir bei gleichbleibenden 125 Euro monatlicher Sparrate nach 40 Jahren rund 265.000 Euro auf der Uhr stehen haben. Bei 250 Euro monatlich das Doppelte, usw. Zu diesem einfachen Prinzip einer echten privaten Altersvorsorge, welche ihren Namen verdient, ist hier das Wichtigste bereits gesagt worden.

Nun aber zum angekündigten Schmankerl

Auf die Kündigung der Abzockversicherung kam vom sog. Berater folgende WhatsApp auf das Handy meiner Freundin (Namen natürlich geändert und Rechtschreibfehler beseitigt):

„Hallo Geldhamsterin,
Du bittest mich um eine Info, reagierst dann nicht auf meine Frage und lässt mir am Ende durch die Abzock AG ausrichten, dass Du den Vertrag kündigst.

Mal ganz abgesehen von dem erheblichen wirtschaftlichen Verlust, den Du hier bewusst eingehst, finde ich die Art und Weise so mit mir umzugehen extrem enttäuschend und respektlos.

Sollte es sich hier um ein Missverständnis handeln, dann bitte ich morgen oder übermorgen um einen kurzen Anruf, um das zu klären.“

Was soll man dazu noch sagen? Irgendetwas im Dienstleister-Kundenverhältnis scheint hier falsch zu laufen, oder?

Dieser Gaunerbaron scheint wohl seine Position als Dienstleister für seine Kunden mit der eines sklavenhaltenden Feudalherren zu verwechseln

Offensichtlich will der Berater meiner Freundin vom hohen Ross herab ein schlechtes Gewissen machen. Sie riskiert „erhebliche wirtschaftliche Verluste“ und gegen die geordneten Regeln menschlichen Zusammenlebens hat sie mit Ihrer „extrem enttäuschenden und respektlosen“ Kündigung auch noch verstoßen. Oh je, oh je.

Am Ende geht es diesem Berater, wie auch dem Großteil seiner Zunft, allein um ihre finanziellen Verluste, nämlich den Storno der ergaunerten Provision. Denn das finanzielle Wohlergehen seiner Kundin kann ihm wohl kaum am Herzen gelegen haben, als er ein Versicherungsprodukt empfahl, bei dem allein der Vermögensverwalter sich fast 2% p. a. der Anlagesumme als Honorar genehmigt. Zusätzlich muss man dann auch noch seinen Beraterclub und natürlich die Versicherungsgesellschaft über die monatlichen Prämien mitversorgen. Es verdienen also erstmal drei Akteure bevor meine Freundin an die Reihe kommt.

Die „erheblichen wirtschaftlichen Verluste“ hat meine Freundin daher lieber frühzeitig vermieden und wird künftig ihre Geldgeschäfte und damit ihren Vermögensaufbau selbst betreiben, anstatt die Akteure der privaten Altersvorsorge weiter zu alimentieren. Allein eine Verwaltungsgebühr von nahezu 2% p. a. bei einer ohnehin schlecht performenden Anlage im Vergleich zu einem Weltindex ist kumuliert über Jahrzehnte ein gigantischer Renditeverlust. Und von genau diesem Renditeverlust des Anlegers lebt diese nutzlose Zunft.

Also, mit solchen Leuten wollen wir uns künftig nicht weiter rumärgern. Altersvorsorge können wir mit ein wenig finanzieller Bildung besser als dieser Verkäufer, der vom Zinseszins wohl noch nie etwas gehört hat. Meiner festen Überzeugung nach gilt am Ende erneut das Prinzip, wonach sich jeder nunmal selbst der nächste ist. Und wie bei den meisten Menschen, ging es auch diesem Berater wohl weniger um das Wohlergehen des Kunden als um sein eigenes. Nämlich seine Provision. Der Unterschied beginnt da, wo man sich dies wenisgtens eingesteht und nicht stattdessen den Moralapostel spielt.

Was ist aber nun die ultimative Altersvorsorge?

Die Antwort lautet – wie auf 99% aller Fragen – immer gleich: Vermögen! 😉

private Altersvorsorge

Ready for take off? Übernimm das Kommando im Cockpit Deiner Altersvorsorge

Dementsprechend müssen wir nach einer Kündigung privater Altervorsorgeprodukte das freiwerdende Kapital unbedingt auch weiterhin für unser Alter anlegen. Wie man das am besten macht, wird auf diesem Blog ausführlich beschrieben. ETFs in große Indizes oder gleich einen Weltindex sind ein sehr guter Anfang, mit dem man über einen langen Zeitraum gesehen wenig falsch machen kann. Statt monatlich Summe X an die Abzockindustrie zu überweisen und zu sehen wie alle Schmarotzerchen sich ein dickes Stück von der Torte abschneiden bevor der Rest für Dein Wohlergehen angelegt wird, steht künftig das gesamte Kapital zu Deiner Verfügung. Voll liquide und unter voller Kontrolle deinerseits. Das was Du monatlich ansonsten dieser Industrie überwiesen hast, würde sich doch perfekt für einen ETF-Sparplan eignen.

Hier ging es um eine private Rentenversicherung. Aber die Struktur, welche sich hinter anderen Vermittlerprodukten verbirgt, ist meist ebenfalls die gleiche

Generell gilt beim Thema private Altersvorsorge: Es leben erstmal ein Vermittler und mindestens eine Versicherungsgesellschaft von Deiner Prämie. Manchmal auch ein zwischengeschalteter Vermögensverwalter. Erst wenn diese Leute alle in Dein Portemonnaie gegriffen haben, kommst Du an die Reihe. So läuft es prinzipiell beim Riestern. Und so läuft es auch prinzipiell beim Bausparen. Und nicht anders bei den wirklich furchtbaren Lebensversicherungen. Daher gilt nach meiner bescheidenen Meinung: Finger weg von diesem Zeug.

Vermögen ist die Antwort auf Dein Streben nach Absicherung. Und dieses musst Du in Deine eigenen Hände nehmen. Als verantwortungsbewusster Mensch, der die Kraft und den Willen hat, seines eigenen Glückes Schmied zu sein, bist Du dazu fähig genau diese Verantwortung für Dein Leben zu übernehmen. Denn sonst würdest Du Dich auch nicht in diesem Moment im Internet über Deine finanzielle Freiheit informieren. Allein über die eingesparten Berater kannst Du bei einer langfristigen buy and hold Strategie eigentlich gar nicht schlechter fahren als mit den Versicherungsprodukten der organisierten Abzocker. Du kannst wenig verlieren und eine Menge gewinnen. Vorausgesetzt Du bist diszipliniert genug und haust die Kohle nicht irgendwann für unnützen Konsum raus. Logisch, oder? 😉

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2 Kommentare

healthyandfrugal · 06/12/2018 um 23:59

Das klingt leider sehr bekannt. Ich habe mir 2014 so einen Vertrag aufschwatzen lassen und leider erst dieses Jahr gekündigt. Das Beste: nach Erreichen des Rentenalters sollte der Vertrag noch knapp 10% jährliche Gebühr kosten. Und auch ich habe eine lange Mail von meinem Berater bekommen mit schadenfeinigen Argumenten. Mein wahrscheinlich teuerster Finanzfehler.

    Geldhamster · 16/12/2018 um 13:33

    Mach Dir nichts daraus. Du hast den Fehler frühzeitig erkannt und gegengesteuert. Aus Fehlern lernen, ist ein Zeichen von Stärke!

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