Kennst Du diesen Moment? Du sitzt im Büro, schaust für eine Weile aus dem Fenster. Du brauchst mal eine kurze Pause, ist doch die Last des täglichen Hamsterrades gerade wieder so richtig erdrückend. Und da ist auf einmal dieser Gedanke:

Was machst Du hier eigentlich? Soll so der Großteil Deines Erwachsenenlebens aussehen? Tag ein, Tag aus?

Klar, wir alle müssen unseren Lebensunterhalt verdienen. Ohne Moos nichts los. Das gilt für alle, die nicht reich geboren und mit einem fürstlichen Erbe ausgestattet wurden. Oder solche, die sich auf ein dauerhaftes Leben von Staatsknete eingestellt haben. Wir aber müssen es selbst schaffen. Und das wollen wir auch.

Bei unserem großen Ziel, dem möglichst frühen Ausstieg aus dem Hamsterrad, dürfen wir aber eines nicht vergessen: Jeder Tag außerhalb des Hamsterrades ist eine Bereicherung unserer Lebensqualität. Das gilt sowohl für das Fernziel der finanziellen Freiheit als auch im Hier und Jetzt, wenn man uns leider noch häufig im Office antrifft.

Auch jetzt, vor dem Erreichen finanzieller Freiheit, ist jeder Tag außerhalb des Büros ein guter Tag

So ehrgeizig wir unseren Traum auch verfolgen, wir unsere Ausgaben reduzieren, alle drei Jahre brav unseren Job wechseln, um mehr Gehalt rauszuschlagen, wir unser Geld für uns arbeiten lassen und vielleicht sogar schon an unserem ersten Side-Business arbeiten: Am Ende haben wir nur ein Leben. Und Gas geben kostet Kraft. Der eine oder andere mag tatsächlich der ultimative Fels in der Brandung sein. Die meisten werden aber am Ende auch einfach mal Mensch sein. Und unsere Energiereserven sind begrenzt. Der Akku ist irgendwann leer. Und wenn man sich in der Finanzblogger-Szene umsieht, machen leere Akkus zuweilen auch vor uns nicht halt. Jeder muss auch mal zur Ruhe kommen.

Jeder muss mal abschalten können

Was kann man also tun, um Work-Life-Optimization zu betreiben?

  • Wege für eine längere Auszeit finden – für die großen Lebensereignisse
  • Teilzeit oder Homeoffice aushandeln – für mehr Lebensqualität im Every Day Life

Am Wochenende war ich bei einem sehr guten Freund in der Heimat. Mein Bestbuddy baut gerade sein Haus um, wobei auch zwei Ferienwohnungen im Obergeschoss entstehen. Diese gehen ganz gut in unserer Heimat und sollen anschließend ein passives Einkommen abwerfen. Ein solcher Umbau ist natürlich ein Mammutprojekt. Bau mal Dein ganzes Haus um und mach drei Wohnungen daraus. Übernimm dabei einen Großteil der Planung und statte neben Deiner eigenen auch zwei Ferienwohnungen komplett aus. Neben Deinem Vollzeitjob, Deiner Partnerschaft, Deinen Freunden und sonstigen Verpflichtungen.

Die Umbauarbeiten werden im Sommer abgeschlossen sein und das Ganze wird einfach fantastisch gut. Das kann man sehen und spüren wenn man dort ist. Abends auf seiner neuen Terrasse ließen wir unseren Grillabend mit einem kleinen Lagerfeuer ausklingen. Während in der Eisentonne das alte abgenutzte Parkett, welches ansonsten auf dem Müll gelandet wäre, brutzelte und uns erwärmte, konnten wir nach längerer Zeit endlich mal wieder über alles sprechen, was uns im Leben gerade bewegt.

Feststeht nach diesem Projekt folgt beim meinem Kumpel das nächste. Und genauso ist es auch bei mir. Nachdem der Aufbau dieses Blogs mittlerweile Fahrt aufgenommen hat, die Infrastruktur nun steht und ich etwas Kapazität neben Job und Blog finde, wird auch bei mir demnächst das nächste Projekt anstehen.

Einig waren wir uns aber auch, dass Job und daneben unsere Side-Hustles uns reichlich Kraft kosten. Work-Life-Balance? Bei uns eher Fehlanzeige. Der Körper und die Seele schreien nach Wohlbefinden und damit vor allem nach einer Auszeit, die ihren Namen verdient. Kleine Fluchten als Wochenendtrip oder eine Woche Urlaub reichen uns schon lange nicht mehr, um wirklich Euphorie zu wecken. Feststeht: Wir brauchen mehr Zeit. Für uns selbst und für alles was uns wirklich antreibt. Nur wie könnte dies konkret aussehen?

 

Erstens: Längere Auszeit

Neulich habe ich eine Zusammenfassung des Buchs The One Thing: Die überraschend einfache Wahrheit über außergewöhnlichen Erfolg von Gary Keller angesehen. Darin wird unter anderem die Behauptung aufgestellt, dass Work-Life-Balance Quatsch ist.

So einfach würde ich das nun nicht unterschreiben. Mein erster Impuls wäre eher, dass die europäische Hamsterradnation Nr. 1 deutlich mehr davon braucht. Insbesondere in meiner konservativen Branche. Eine Ansicht, die übrigens die meisten jungen Wirtschaftsanwälte teilen. Aber das ist ein anderes Thema.

Gary Keller behauptet Work-Life-Balance führe zu mittelmäßigen Ergebnissen. Man schaffe ein wenig bei der Arbeit und man habe ein wenig frei. Wirklich Besonderes erreiche man auf beiden Ebenen nicht. Stattdessen solle man Counter Balancing betreiben: Phasen mit reichlich Arbeit sollten sich mit Phasen mit reichlich Freizeit abwechseln. Ein besonderes Leben finde nämlich in den Extremen statt.

Hat er Recht?

Wenn ich auf mein bisheriges Leben zurückschaue, dann stimmt die These zum besseren Leben in Extremen

Das schwierigste was ich im Leben zu meistern hatte waren wohl meine beiden Staatsexamen. Einen guten Abschluss erreichte ich dabei nur deshalb, weil ich bereit war, mich komplett einer Sache zu widmen und alles andere ausblendete.

Auf der anderen Seite habe ich zwar einige fantastische Reisen unternommen. Aber das absolute Gefühl von Freiheit, wirklicher Entspannung und Zufriedenheit in nahezu jedem Moment habe ich nur gefunden als ich mir nach der mündlichen Prüfung zum zweiten Staatsexamen erstmal meinen Rucksack geschnappt habe und für fast zwei Monate nach Südostasien abgehauen bin.

Ich hatte etwas erreicht, ich hatte zwei gute Examen in der Tasche, ein ordentlicher Job würde nach meiner Rückkehr bestimmt für mich drin sein. Und mit diesem guten Gewissen lag nun auf einmal ein Ozean von Zeit vor mir, den ich frei nach meinem Willen gestalten konnte.

Dieses Gefühl konnte ich trotz grandioser Urlaubsreisen zum Beispiel nach Japan seit dem Jobeinstieg nie wieder finden. Zu laut ruft der Schreibtisch in der Heimat, der einen nach der Rückkehr mit ganzer Grausamkeit erwartet als das er komplett überhört werden könnte. Das Hamsterrad ist einfach immer irgendwie präsent.

Soweit kann ich Gary Keller also voll zustimmen. Am meisten habe ich erreicht, wenn ich mich voll einer Sache widme. Und am meisten Spaß und Zufriedenheit hatte ich, wenn vor mir eine kleine Ewigkeit von Freizeit liegt, die ich frei von jeder Fremdbestimmung nach meinem Willen gestalten und genießen kann.

Ein erfülltes Leben, ist kein Leben voller Eintönigkeit

Klar war meinem Buddy und mir am Lagerfeuer dann schließlich auch, dass wir es irgendwie schaffen müssen in den nächsten ein oder zwei Jahren noch mal eine Auszeit von allermindestens einem, besser aber drei Monaten, zu nehmen. Egal wie wir es anstellen, es muss gelingen.

Work-Life-Balance

Mit dem Scouter durch die grünen Reisfelder Balis düsen

Auf Bali kann man zum Beispiel von 1500 Euro im Monat hervorragend leben. Surfen, mit dem Roller durch grüne Reisfelder düsen, beim Sonnenuntergang ein paar nette Drinks genießen und bei einfach allem dauerentspannt sein. Wäre das nicht wunderbar? Vermiete Deine Wohnung unter, Dein Auto ebenfalls und der Trip selbst ist quasi für Umme. Fantastisch, oder?

Das ist natürlich nur ein Beispiel. Vielleicht hast Du kein Auto oder Dein Vermieter erlaubt keine Untervermietung. Mir geht es darum: Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg. Nimm Dir was Du in Deinem Leben wirklich willst und brauchst. Mach es zu dem Leben, was Du führen möchtest. Ein Sabbatical wäre auch eine Möglichkeit. Genauso zwei, drei Monate „geplante Arbeitslosigkeit“ zwischen einem Jobwechsel. Irgendwie geht es. Punkt.

Allabendlicher Sonnenuntergang auf Bali. Am besten mit einem kühlen Drink genießen

 

Zweitens: Teilzeit oder Homeoffice

Soviel zur tatsächlich richtigen These von Gary Kelly zur Work-Life-Balance und dem Glück in Extremen. Was ist aber mit unserem Arbeitsalltag als Angestellter? Hier muss man differenzieren. Denn egal wie kreativ wir sind uns mal eine längere Auszeit zu gönnen. Am Ende werden wir auch eine ganze Menge im täglich gleichen Hamsterrad dienen. Dafür kann die Lösung nicht sein, alle paar Jahre mal eine Auszeit zu arrangieren und sich ansonsten dauerhaft abzurackern. Und währenddessen für jedes Jahr, das vorbeizieht, beim morgendlichen Blick in den Spiegel ganze drei Jahre älter auszusehen. Im Arbeitsalltag macht Work-Life-Balance also absolut Sinn.

Auch im Every Day Life ist eine Verbesserung der Work-Life-Balance auf jeden Fall erstrebenswert

Denn seien wir doch mal ehrlich: Früher oder später kommt man im Job als Angestellter an einen Punkt an dem man Folgendes merkt: Um auch nur noch einen Tick mehr zu verdienen, müsste man von jetzt an überproportional mehr arbeiten, mehr Verantwortung übernehmen und noch mehr Stress zu seinem Lebensinhalt machen. Sofern man nicht einen Hang zur Selbstkasteiung hat, sieht diese nächste Karrierestufe in der eigenen Kosten-Nutzen-Abwägung auf einmal mehr als bescheiden aus.

Wäre es da nicht viel cleverer sich mit seiner jetzigen Karrierestufe abzufinden und sich daran zu machen ein Side-Business aufzubauen?

Natürlich ist das schwer. Und natürlich ist der Erfolg dabei nicht sicher. Natürlich braucht man dafür viel Mut und Ausdauer. Und natürlich muss man eine ganze Weile daran arbeiten, bevor sich vielleicht irgendwann der Erfolg einstellt. Aber ist das nicht auch lohnenswerter als für ein paar zusätzliche hundert Euro brutto im Monat auf einmal täglich zwei, drei Stunden länger im Hamsterrad zu strampeln? Vor allem wenn man doch eigentlich weniger und nicht mehr arbeiten möchte?

Und so war bei unserem abendlichen Lagerfeuer auch Thema, wie man die Jahre im Job, die noch vor uns liegen besser aushalten und vor allem vielleicht sogar verkürzen kann.

Da wir beide uns im Job nun an genau dieser Stelle angekommen sehen, kommen die Themen Teilzeit und Homeoffice ins Spiel

Sollte man einen Job mit deutlich überdurchschnittlichem Gehalt haben, wäre eine Idee auf Teilzeit zu gehen, um in der gewonnenen Zeit an seinem Side-Business zu arbeiten. Beispielsweise auf 80%, sprich nur noch vier Tage die Woche, und damit den Montag zum Lieblingswochentag machen. Freitags hauen doch eh alle ein-, zwei Stunden früher in den Sack. Dann lieber den Montag nehmen.

Solltest Du in einem größeren Unternehmen arbeiten, wirst in der Regel Du derjenige sein, der entscheiden kann, ob Du auf Teilzeit gehst und nicht Dein Chef. Das Teilzeit- und Befristungsgesetz macht es möglich. Der Arbeitgeber wird Deinen Wunsch auf Verringerung der Arbeitszeit nur bei dringenden betrieblichen Gründen ablehnen können. Bei größeren Unternehmen, werden diese wegen der Vielzahl der Mitarbeiter kaum vorliegen. Hier darf also selbstbewusst verhandelt werden, falls man sich einmal für diesen Weg entschieden hat.

Teilzeit wäre insbesondere dann der Weg, wenn man in einer Kanzlei oder in einem Beratungsunternehmen arbeitet, die nach Stunden abrechnen. Hier ist es in aller Regel so, dass man tatsächlich permanent unter Druck steht, genug abrechenbare Stunden – von mir liebevoll Billies für Billable Hours genannt – zu produzieren. Ansonsten kann man damit rechnen, ob gerechtfertigt oder ungerechtfertigt, unter gehörigen Rechtfertigungsdruck zu geraten, wenn die Zahlen nicht stimmen. Ein Homeoffice wäre hier kein Schutz vor dem Billing-Zwang, da die Erwartung an die Zahl der abrechenbaren Stunden die Gleiche bliebe.

Sollte man in der glücklichen Position sein, sich mit solchen Problemen nicht herumschlagen zu müssen, gibt es eine Alternative zur Teilzeit

Dies gilt insbesondere für diejenigen, die sich mit lästiger Facetime rumschlagen müssen. Gerade wenn man in einem Unternehmen arbeitet, ist es doch häufig so, dass man seine Arbeit – wenn man es durchzieht – locker auch an vier oder vielleicht sogar drei Tagen die Woche schaffen würde. Ein bis zwei Arbeitstage gehen bei vielen Unternehmensangestellten doch eher mit dem Simulieren von Arbeit drauf, indem man sich bemüht stets besonders busy auszusehen.

Die bessere und noch lukrativere Lösung wäre dann ein oder besser zwei Homeoffice-Tage. Denn im Homeoffice wäre der Facetime-Quatsch dann endlich vorbei. Man wäre im Notfall natürlich zur Stelle und ansonsten telefonisch oder per Mail erreichbar. Den Großteil des Tages könnte man sich aber den Dingen widmen, die einem wirklich wichtig sind. Und vor allem müsste man mit der Simulation von Arbeit nicht seine wertvolle Lebenszeit verschwenden. Und schließlich würden wir so weiter ein Vollzeitgehalt einstreichen. Homeoffice ist also eindeutig die lukrativere Möglichkeit, wenn die Rahmenbedingungen stimmen.

Wie wir unserem Chef einen Homeoffice-Tag abluchsen, wird Thema in einem kommenden Blogbeitrag sein.

Fazit

Work-Life-Optimization findet auf zwei Ebenen statt: Längere Auszeiten sind wichtig, um einmal komplett abschalten zu können oder einen Lebenstraum wahr zu machen, den man in zwei, drei Wochen Urlaub nicht verwirklichen kann.

Verbesserungen im täglichen Arbeitsleben durch Verringerung der Arbeitszeit führen dauerhaft zu mehr Lebensqualität. Außerdem könen wir dadurch besser an unseren Nebenprojekten arbeiten, welche auf lange Sicht zusätzliche Unabhängigkeit versprechen. Und zu guter Letzt führen beide Möglichkeiten der Work-Life-Optimization dazu, dass wir auch mal abschalten können und mehr Ausgleich in unserem Leben finden.

Ein wenig müssen mein Kumpel und ich unsere Gedanken noch in aller Ruhe zu diesem Thema reifen lassen. Klar ist aber auch: Es wird sich etwas ändern.

 

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Kategorien: Lebensqualität

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